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kratzen
 
Theaterstück von Johannes Hoffmann

 

 
  • mit "kratzen" nahm ich an Text in Arbeit 25/26 am Schauspielhaus Wien teil: 
 

Der Geruch von Sonnenschutzmittel zieht über die Vorgärten. Der Swimmingpool plätschert ruhig vor sich hin. Flugzeuge zerkratzen den blitzblauen Himmel. Sommerzeit. Ferienzeit. Ein toter Vogel liegt in Sabines und Günthers Garten. Sohn Alex dreht einen Film. Tag und Nacht läuft die Videokamera. Nichts soll ihm entgehen. Tochter Martina freundet sich mit dem neuen Nachbarsjungen Ferdinand an. In der Ferne ist leise die Autobahn zu hören.

Still und unmerklich verschließen sich die Eltern, die ihre Umgebung zunehmend als Bedrohung wahrnehmen, in ihren eigenen vier Wänden. Die Satellitenschüssel verschwindet, Internet- und Telefonkabel werden gekappt, im Keller Vorräte gehortet. Während die Erwachsenen sich zurückziehen, halten die Kinder alles mit der Kamera fest – ein filmisches, nihilistisches Manifest, das die wachsende Paranoia dokumentiert.

 

Die Sommerhitze steigt. Alles schwitzt. Es juckt. An der Realität wird gekratzt. Gekratzt. Gekratzt.

Das Porträt einer Gesellschaft, die sich zunehmend abschottet. 


 
 
FERDINAND
ich frag mich
wie sich die welt da draußen
gerade dreht
ich versuch
was zu erkennen
abzulesen
aus der frequenz der flugzeuge
den kondensstreifen
aus den formationen der vogelschwärme
wie schnell die wolken ziehen
alles spekulation
beschissener scheißdreck
ich sitze hier fest martina
im toten winkel

MARTINA
im toten winkel
kann man manchmal machen
was man will
weils keiner bemerkt
ALEX
der moment
ein kipppunkt
etwas bricht
reißt ein
kratzt sich ins leben
tief ins fleisch
ein augenblick
der alles frisst
 
(Auszug aus dem Stücktext/März 2026)
 

© 2026 Johannes Hoffmann

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